Das Stadtparlament hat am 5. November 2020 mit grosser Mehrheit ein Postulat von AltStadtparlamentarier Guido Wick überwiesen, wonach auf dem Stadtgebiet mindestens ein Versuch mit einer Velostrasse zu durchzuführen sei. Im Juni 2025 startete der gross angekündigte einjährige Pilotversuch auf der Wilenstrasse auf dem Abschnitt zwischen Hubstrasse und Autobahnbrücke. Während die SchaƯung von Velostrassen im Grundsatz vermutungsweise in grossen Bevölkerungskreisen auf Akzeptanz stösst, führte die konkrete Umsetzung durch das BUV vielerorts zu Stirnrunzeln.
Während sich wohlwollende Kreise möglicherweise einzig über den grosszügigen Einsatz von Strassenfarbe mokierten, stiess bei anderen auf Unverständnis, dass sich die Stadt Wil bei der Umsetzung nicht an bewährte, empfohlene und auch prämierte Modelle aus anderen Städten orientierte, sondern eine eigene Variante einführte. Unabhängig davon ist festzuhalten, dass die umgesetzte Variante verschiedentlich zu nicht beabsichtigten und auch gefährlichen Situationen führt. So ist beispielsweise gemäss Augenschein ein Kreuzen eines Velos mit dem auf der gleichen Strecke kursierenden Stadtbus oder mit einem grösseren Fahrzeug an den zur "Verkehrsberuhigung" künstlich durch Horizontalversätze verengten Stellen nur möglich, wenn einer der Verkehrsteilnehmer auf das Trottoir ausweicht. Dieser Umstand wurde nicht nur anders kommuniziert und ist aus Sicht der Verkehrssicherheit unerwünscht, sondern hat offenbar auch schon zu Unfällen geführt. Ausserdem wurde festgestellt, dass verschiedene der Markierung dienende Leitpfähle Beschädigungen erlitten und/oder entfernt werden mussten (siehe unten, Bild rechts). Während des Winterdienstes dürfte die Zahl der Beschädigungen noch zunehmen. Es ist wenig erstaunlich, dass das Bundesamt für Strassen (ASTRA) empfiehlt, bei Velostrassen diese Art von Leitpfosten nicht einzusetzen
Vor diesem Hintergrund wird der Stadtrat um Beantwortung der nachfolgenden Fragen ersucht. Die Interpellation wird als dringlich eingereicht, um angesichts des als hoch eingeschätzten Handlungsbedarf zu vermeiden, dass (noch mehr) Menschen und Material zu Schaden kommen.
- Teilt der Stadtrat die Aufassung, dass Velostrassen in der weiteren Region gleich ausgeführt sein sollen, damit diese eine breite Akzeptanz und Wiedererkennung haben und somit für die Verkehrsteilnehmer klar verständlich sind?
- Warum ist der Stadtrat beim Versuchsaufbau von den Empfehlungen des ASTRA und der Beratungsstelle für Unfallverhütung abgewichen?
- Wie viele verschiedene Modelle zur Umsetzung von Velostrassen, die in anderen Städten realisiert wurden, hat der Stadtrat vor dem Projekt "Wilenstrasse" geprüft?
- Ist der Stadtrat der Meinung, dass der Versuchsaufbau der Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer genügt und sich die Verkehrssicherheit durch den Pilotversuch gegenüber früher verbessert hat?
- Werden beim Pilotversuch Velostrasse auch Unfälle erfasst? Wenn ja, wie viele Unfälle und Materialbeschädigungen sind zulässig, damit der Stadtrat den Pilotversuch noch als erfolgreich bewertet?
- Ist der Stadtrat bereit, den Versuchsaufbau durch Entfernen der Leitpfosten gemäss den Empfehlungen des ASTRA anzupassen?
Link zur Interpellation