Cyberangriffe machen vor Gemeindegrenzen nicht halt – wie ist Wil vorbereitet?

Unser Stadtparlamentarier Olav Baumann erkundigt sich mit einem parlamentarischen Vorstoss nach der Cyber-Defence-Strategie der Stadt Wil. Angesichts zunehmender Cyberangriffe und des jüngsten Vorfalls bei Thurcom möchte er vom Stadtrat wissen, wie die städtischen Systeme und sensiblen Daten geschützt werden, wie Wil auf einen möglichen Krisenfall vorbereitet ist und wie die Zusammenarbeit mit externen Leistungserbringern geregelt wird. Zudem fragt er, welche organisatorischen, personellen und finanziellen Mittel notwendig sind, um die Cyber-Defence der Stadt und ihrer Betriebe weiter zu stärken.

Der jüngste Cyberangriff auf die Website der Thurcom zeigt eindrücklich, dass die Bedrohung durch Cyberkriminelle keine abstrakte Gefahr ist, sondern direkt vor unserer Haustür stattfindet. Auch wenn in diesem Fall gemäss ersten Erkenntnissen keine Kundendaten abgeflossen sind, verdeutlicht der Vorfall die ständige Notwendigkeit, digitale Infrastrukturen vor Angriffen zu schützen.

Angriffe auf digitale Systeme von Staaten, Unternehmen und Gemeinden haben in den letzten Jahren massiv an Intensität und Komplexität zugenommen. Ein schwerwiegendes Beispiel aus der öffentlichen Verwaltung war der Ransomware-Angriff auf die Stadtverwaltung von Rolle im Kanton Waadt, bei dem sensible Daten verschlüsselt und grosse Teile der IT-Infrastruktur lahmgelegt wurden. Solche Ereignisse führen vor Augen, wie verwundbar selbst gut aufgestellte Organisationen gegenüber modernen Cyberbedrohungen sind.

Die zunehmenden Risiken erfordern kontinuierliche Investitionen in Sicherheitstechnologien sowie in die Aus- und Weiterbildung von IT-Teams. Gerade kleinere und mittlere IT-Abteilungen, die über keine eigene spezialisierte Cyber-Defence-Einheit verfügen, tragen eine enorme Verantwortung für die digitale Souveränität und Sicherheit ihrer Organisation.

Die Stadt Wil betreibt eine eigene IT-Abteilung, die tagtäglich die digitale Grundlage für Werkzeuge, Daten und Prozesse des städtischen Betriebs bereitstellt und gleichzeitig besonders schützenswerte Daten der Bevölkerung verwaltet. Damit bildet sie einen zentralen Eckpfeiler der städtischen Informations- und Cybersicherheit. Mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung, beispielsweise durch E-Government und Mitwirkungsplattformen, wird diese Bedeutung weiter zunehmen.

Vor diesem Hintergrund wird der Stadtrat um Beantwortung der folgenden Fragen ersucht:

  1. Über welche Cyber-Defence-Strategie verfügt die Stadt Wil, und wie stellt sie mit organisatorischen, personellen und technischen Massnahmen sicher, dass Cyberrisiken präventiv erkannt, angemessen begrenzt und Sicherheitsvorfälle wirksam bewältigt werden können?

  2. Welche Vorkehrungen und Zuständigkeiten sind für den Eintritt eines Not- oder Krisenfalls vorgesehen, und wie wird die Funktionsfähigkeit dieser Incident-Response- und Wiederherstellungsprozesse regelmässig überprüft?

  3. Anhand welcher Kennzahlen oder anderer Kriterien beurteilt die Stadt die Wirksamkeit ihrer Cybersicherheitsmassnahmen, wie häufig erfolgt diese Beurteilung und in welcher Form wird darüber intern oder extern berichtet?

  4. Wie sind die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten für die Cybersicherheit zwischen der Stadt Wil, ihren Betrieben sowie externen, kantonalen und eidgenössischen Leistungserbringern geregelt, und wie werden die daraus entstehenden Abhängigkeiten und Risiken gesteuert?

  5. Welche organisatorischen, personellen und finanziellen Mittel wären notwendig, um die Cyber-Defence der Stadt Wil und ihrer Betriebe weiter zu stärken?

Ich danke dem Stadtrat für die Prüfung und Beantwortung dieser Fragen.

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